Gleichgewichtsdiagnostik


Schwindel und Gleichgewichtsstörungen

Schwindelgefühl ist wie Schmerz oder Hunger eine ganz ursprüngliche Missempfindung.

Das Schwindelgefühl tritt dann auf, wenn wir uns nicht mehr in gewohnter Weise sicher und eindeutig in der nächsten Umgebung orientieren können.

 

Die Ursachen dafür können vielfältig sein:

  • ungewohnte Bewegungsabläufe (z.B. bei der Seekrankheit oder im Karussel) oder ungewohnte Perspektiven (z.B. Höhenschwindel),
  • Erkrankungen oder Störungen im Gleichgewichtsorgan des Innenohres,
  • Verlangsamung der Verarbeitungsprozesse der Sinnesorgane im Gehirn (das ist ein Faktor für den Schwindel der alten Menschen),
  • Durchblutungsstörungen im Gehirn,
  • Kreislaufstörungen (z.B. „Schwarzwerden vor den Augen“, wenn wir zu rasch aus der Hocke aufstehen),
  • Einschränkungen der körperlichen Beweglichkeit (wie z.B. bei Parkinsonscher Erkrankung oder evtl. auch infolge von Nackenbeschwerden),
  • Sehstörungen (z.B. neue Brille),
  • ängstliche Erwartungshaltung (z.B. im Rahmen von Panikattacken),
  • manche Medikamente können Schwindelgefühl auslösen oder verstärken.

Begleiterscheinungen:

Unabhängig von den Ursachen ist Schwindelgefühl oft von Übelkeit begleitet. Bei starken Schwindelattacken kommt zusätzlich zu Erbrechen, kaltem Schweiß, Kreislauf­kollaps und Durchfall.

Man kann 4 unterschiedliche Typen von Schwindel unterscheiden:

  1. Echter Schwindel: In schweren Fällen richtiger Drehschwindel, in leichten Fällen nur kurze Orientierungslosigkeit; dabei besteht immer klares Bewusstsein.
  2. Gleichgewichtsstörung: Gangabweichung und Gangunsicherheit ohne subjektives Schwindelgefühl.
  3. Das Gefühl, man würde gleich kollabieren (erlebt jeder Mensch manchmal nach zu raschem Aufstehen).
  4. Das Gefühl, von der Welt abgehoben zu sein, ohne dass eigentlich eine Gleichgewichtsstörung vorliegt.

 Schwindelbeschwerden, die ihren Ausgang vom Innenohr nehmen:

  • Es kommt dabei meist zu echtem Schwindel im Sinne von Drehschwindel oder mindestens kurzer Orientierungslosigkeit bei klarem Bewusstsein.
  • Übelkeit ist meist vorhanden,
  • zusätzlich kann eine Hörstörung auf einer Seite bestehen.

Welche Erkrankungen des Innenohres gibt es, die zu Schwindelbeschwerden führen?

  1. Der gutartige Lagerungsschwindel ist die häufigste Störung des Innenohres; es kommt zu Schwindelanfällen von etwa einer Minute Dauer, vorwiegend beim Umdrehen im Bett. (nähere Informationen:  -> Der gutartige Lagerungsschwindel)
  2. Selten tritt die Neuronitis vestibularis auf. Es ist dies eine plötzlich auftretende Störung eines Gleichgewichtsorgans im Innenohr (medizinisch: des „Vestibular­organs“). Ähnlich dem Hörsturz kann diese Erkrankung auch bei jungen Menschen aus heiterem Himmel auftreten. Dabei kommt es zu Dauerschwindel. Dieser dauert im besten Fall nur wenige Stunden, kann aber auch sehr lange andauern und nur langsam über Wochen abklingen.
  3. Ganz selten ist die sogenannte Menière-Erkrankung. Die Betroffenen erleben schwerste Drehschwindelanfälle mit Übelkeit, begleitet von Ohrsausen auf einer Seite.

Therapie:

Da Schwindelbeschwerden ganz unterschiedliche Ursachen haben, gibt es naturgemäß keine Standardtherapie.

  • Den Lagerungsschwindel kann man fast immer mit einem sogenannten Befreiungsmanöver heilen.
  • Bei akuten oder lästigen chronischen Schwindelbeschwerden lindern Medikamente, die „Antivertiginosa“, wie z.B. Vertirosan®. Diese Medikamente verwendet man auch bei der Reise­krankheit.
  • Ansonsten sind Bewegungsübungen und Maßnahmen zur Vorbeugung von Stürzen zu empfehlen.

Die meisten Schwindelbeschwerden bessern sich nach einiger Zeit von selbst.